Meine Fliege

Die städtische Gärtnerkolonne war schon aus dem Park abgerückt, durch den mich mein alltäglicher Weg führte. Ihre Arbeit war fast vollständig erledigt, neues Grün gepflanzt, altes und überflüssiges entfernt. Der große Busch an der Ecke mit seinen Hartlaub ähnlichen Blättern blieb den unachtsamen Passanten erhalten. Auf seinem äußersten Blatt saß eine kupferfarbene Fliege. Welch einen grausigen Ekel dieses Miniaturbiest in mir erzeugte, obschon sich doch die liebe Herbstsonne in kupfergoldener Schönheit spiegelte. Sie saß so da auf ihrem Blatt, das ja noch geblieben war. Saß da und tat nichts. Ein kleines Zittern huschte durch die seidenen Flügel. Ganz schnell. So schnell, dass schon im Augenblick danach keine Regung mehr erkennbar war. Sie erinnerte an den verlorenen Aufsatz einer alten, stilvollen Brosche. Eine jener Art, in welcher sich feine Metalle und Edelsteine in ästhetischer Symbiose zu einem Kunstwerk verbinden. Ein Kleinod, das ich mir nie hätte zum Fest wünschen können – ich bin zu spät geboren. Doch diese Fliege, die hatte ich; ihr Anblick eingefangen auf meiner Netzhaut. Ich sah sie genau vor mir, auf ihrem vom Wind geschaukeltem Blatt. Dieses Bild war meines. So ging ich also langsam vorüber, mit einem so wunderbaren Eindruck eines Schmuckstücks vom Schmied Natur. Die Fliege, sie saß da und tat nichts. Fraß nicht, putze sich nicht, flog nicht.

Später kam ich den Weg durch den kleinen, fast lächerlich wirkenden Park zurück. Dies schaurigschöne Biest musste sich wohl bewegt haben. Und keiner hatte sie fliegen sehen, auf dem Rücken die untergehende Sonne. Wie gern hätte ich doch ihr Abbild auf einer Brosche.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>